SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündspule

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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SJ413_HG » So, 29 Mär 2020, 13:37

Danke Fim, ich habe die Videos kommentiert.

Ich habe den Motor mit angeschlossenem und abgezogenem Spritschlauch laufen lassen, siehe Kommentare an den Videos. Kaltleerlauf bei ca. 850 U/min, Warmleerlauf noch nicht erreicht. Ein warmen Motor konnte ich noch nicht haben, da er auch beim Gasgeben viel zu fett läuft und blau qualmt.

Antworten hinter Deinen Fragen:

Also:
* Vergaser gereinigt, Düsen nicht verschmoddert, und sanft gereingt (nicht mit irgendwelchen Nadeln und Spitzen in den Düsenlöchern gepopelt; am besten Ultraschallbad) - Ja,. alles frei. Ultraschallbad mache ich heute.
* Schwimmerstand gemessen (Kammerventil hast ja neu, denk ich); passt - Ja, Kammerventil ist das alte, Schwimmerstand ist OK, Ventil dichtet ab, siehe Bild mit Ringnippel und Schlauchstück für Niveautest
* Choke geprüft, dass er sauber abschaltet? - Wie kann ich das prüfen?
* Ab 1/4 Gas klingt der Motor dann schon besser (läuft eigentlich rund ohne Verschlucken und Geruckel; oder hast da in dem Video den Spritschlauch abgezogen?). - Da habe ich kein Gas gegeben, das ist der Fall mit abgezogenem Spritschlauch. Der Motor läuft dann mit dem Restbenzin aus der Schwimmerkammer und geht dann aus.

Was hast du alles erneuert, was ist alt geblieben (wurde aber gecheckt), und was hast so lassen, wie es ist? - Neu sind: Kerzen, Zündkabel, Verteilerkappe- und finger, Kopfdichtung, Luftfilter, Kraftstofffilter. Ölwechsel frisch. Alles andere so geblieben. Zündzeitpunkt ist 10° vor OT im Leerlauf, habe ich mit Strobolampe gecheckt, alle Kerzen funken (Rausgebaut und an Masse gehalten)

RKE war ich nicht dran, kann ich das Ding einfach rausschrauben?
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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SJ413_HG » So, 29 Mär 2020, 18:17

Habe die Leerlaufgemischnadel in Ultraschallbad gereinigt, alles wieder eingebaut. Keine Veränderung. Gibt es noch eine Möglichkeit, wo der zu fette Motorlauf herkommen kann? Wenn ich das Leerlaufgemischventil auf Anschlag zudrehe, muss der Motor dann ausgehen?
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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SamuraiFim » Mo, 30 Mär 2020, 10:48

Hallo,

ok. Jetzt wirds ein bisserl heller.

Das RKE kann man einfach rausschrauben. Such mal im Forum, da hat jemand schon Fotos und die Reinigung beschrieben. Wenn die nicht richtig funktioniert, dann kann man erstens keine Leerlaufdrehzahl sauber einstellen, und wahrscheinlich läuft der Motor dann auch zu fett (weil keine zusätzlich Luftmenge dem Gemisch beigegeben wird (=sitzt nach dem Vergaser auf dem Ansaugkrümmer und steuert zusätzlich Luft aus dem Kurbelgehäuse in die Ansaugbrücke zurück).

Nur eine Sache: Lass bitte die Vorgehensweise, dass man den Zündfunken prüft, indem man die Kerze rausdreht und gegen Masse hält: Das war früher bei den Unterbrecher-gesteuerten (Kontakt) Zündungen nicht so problematisch (obwohls auch bei einigen in die Hose gegangen ist), Hallgeber oder Transistor-Zündungen sind da ein bisserl sensibler (und ein Zündsteuergerät ist schnell abgeschossen). Du kannst pro Millimeter Zündfunke ungefähr 3000-5000 Volt rechnen.

Die Choke-Prüfung ist hier im Forum auch schon beschrieben worden, und da hats scheinbar auch schon einige Probleme gegeben (Choke-Ventil zugeschmoddert, zieht nach kurzer Warmphase nicht vollständig zurück und dann haut der Vergaser auch zuviel Sprudel in die Ansaugbrücke).

(In den SJ-Vergaser muss ich mich erst reinarbeiten, wie gesagt, ich bin gerade dabei mir wieder einen Suzi zu organisieren. Ich kann nur auf mein Wissen von VW, Daimler, Porsche und 2-Rad (Honda) Vergasern zurückgreifen; hier aber die volle Bandbreite auch mit Rennvergasern wie Weber, Dellorto oder Solex).

Dass bei abgestecktem Spritschlauch (also kein Druck von der Pumpe) der Motor plötzlich sauberer läuft (kurzzeitig halt, bis die Kammer leer ist), kann auch nur damit zusammenhängen, dass die Unterversorgung aus der Kammer mit dem "eigentlichen Fehler im System" sich ausgleicht, und dann der Motor kurzzeitig richtig läuft. Das scheint aber eher Zufall zu sein, als dass das Problem wirklich daher kommt. Die mechanische Pumpe kann nicht mehr Druck liefern, das Kammerventil macht ordentlich zu, der Stand in der Kammer passt. Also sollte das einmal nicht das Thema sein.

Ich würd mal mit den zwar zeittechnisch aber trotzdem kostengünstigsten Checks weitermachen, und das Problem eingrenzen (also Choke und RKE). Wenn das auch nix hilft, dann kann man ja auch einmal einen Test nach dem Motto: "Splint ziehen und werfen" machen:

Vorschlag: Eine gute Schrauberseele, der auch dem Samurai-Fieber erlegen ist, borgt dir für einen Quercheck einen Vergaser, und du baust mal Probeweise diesen auf (sollte halt nachweislich schon vorher sauber funktioniert haben). Wenn der Suzi dann sauber läuft, dann weisst, dass der Vergaser Schuld ist. Ich würd auch vor dem Ausbau des guten Vergasers (beim Kollegen) ein paar Bilder des Anschlussschemas der Unterdruck-Schläuche machen, dann weisst, ob du bei deinem richtig gelegen hast. Dann machst (bevor du deinen Vergaser runternimmst) auch eine Reihe an Bildern, dann erst deinen Vergaser abbauen, und den anderen aufbauen.

Was ich mir am Samurai-Vergaser angeschaut hab, liegt der in einer Ära der Entwicklung, die nicht ganz einfach zu handln ist: Durch die gesteigerten Abgasnormen haben sie alles probiert in der Entwicklung, um den Vergaser zu kontrollieren, aber die Sache vollkommen mit Technik überladen (und teilweise auch vollkommen überverkpmpliziert). Und bei 40 verschiedenen Eingangs- und Steuergrößen versuch dann mal die Nadel im Heuhaufen zu finden...

Zu deiner Frage Leerlaufgemischschraube: Ja, für gewöhnlich geht der Motor dann aus (stribt dir wegen zu wenig Sprit einfach ab; ist aber vorrangig im Warmlauf, weil ja vorher der Choke noch zusätzlich Sprit reinpumpt).

Leerlauf einstellen: Zuerst stellt man die Hauptgemischschraube auf Standardwert (oftmals ganz rein (VORSICHT: nur sanft, bis man ein bisschen Widerstand spürt, sonst drehst den Sitz = Anschlag der Schraube ab; ich nehm oft einen Uhrmacher-Schlitzschraubendreher, da bekommt man nicht so viel Kraft auf den Schraubenzieher, weil man den sowieso nur mit 2 Fingern bedienen kann), dann wieder 2-2,5 Umdrehungen wieder raus (um das zu erleichtern, gibts Gemischschrauben, die keinen Schlitz auf der Schraube haben, sondern die stehen weiter raus und haben aussen einen Rändelkopf mit Markierungen drauf; das macht die Sache viel einfacher).
Dann startest den kalten Motor, und spielst mit der Leerlaufschraube bis die Leerlaufdrehzahl halbwegs gleichbleibend ist. Den Motor laufen lassen, bis der Choke weg ist, dann nochmals nachstellen. Zwischen den Einstellungen mal kurz gasgeben, den Motor wieder zurückkommen lassen in den Leerlauf, und dann wieder nachstellen. Wenn man dann die Warmleerlaufdrehzahl hat, dann wieder zur Hauptgemischschraube zurück (oder CO-Schraube), und diese einstellen (und jetzt ist der AFR-Messer Gold wert): Jetzt kann man den Motor auf Testdrehzahl bringen, die Drosselklappenwelle (oder Gaszug) in der Stelle blockieren, und dann den AFR-Wert auf Vorgabe bringen.

So bringt man einen Vergaser halbwegs auf Zielgerade.

Wenn man dann noch so pingelig, wie ich bin, ist, dann geht man die Gasstellungen zur Kontrolle nochmals durch, und checkt, ob der Vergaser in allen Laststellungen richtig arbeitet (oftmals magern die Vergaser nämlich in 3/4 Gasstellung bis Kickdown komplett ab, und das ist dann der Grund, dass (hauptsächlich bei hochdrehenden Motoren wie den alten 2-Rad-Harakiri-Möps) der Motor den Temperatur-Tod stirbt (Motto: lieber ein bisserl mehr Sprit, als zu wenig, weil Sprit nicht nur verbrennt, sondern auch kühlt!)

LG,
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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SamuraiFim » Mo, 30 Mär 2020, 11:19

Eine Sache ist mir auch aufgefallen bei deiner Instandsetzung und Servicierung, die einen möglichen Einflussfaktor haben kann:
Die Zündkabel.

Grundsätzlich verwenden viele diese Silikon-Zündkabel, weils billig und (oftmals eingefärbt) sportlicher aussieht am Motor. Oft sind die Kabeln aber ziemlicher Dreck und haben einen zu hohen Widerstand, dann bekommt man auch keinen sauberen Zündfunken zusammen (man sieht den Funken, aber wennst ein Oszi anhängst, sieht man, dass das Rechtecksignal flacher ist = weniger Zündspannung).

Weiss nicht, welche Qualität bei den Samurai-Ersatzteilen genau geliefert wird (und wenn keiner Probleme mit den Kabeln hat, dann wirds schon passen), aber ich hatte bei einigen Motorenrevisionen von Oldtimern mit diesen Zündkabeln schon Probleme.

Oftmals sind die originalen Beru- oder Bosch-Kabeln doch das Wahre (ohne Werbung dafür zu machen; bin auch nicht gewinnbeteiligt bei den Firmen und halte auch keine Aktien, ist nur aus meiner Erfahrung gesprochen... [-( )

Nur als Info, wird mit deinem Problemchen aber weniger zu tun haben...

LG,
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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SJ413_HG » Mo, 30 Mär 2020, 14:28

Danke, ich reinige das RKE.

Ich habe hier

https://photos.app.goo.gl/gY3iGjSD95unnAfF7
weitere 2 Fotos am Ende eingestellt: Kann man an dieser Schraube oberhalb der Leerlaufgemischschraube was einstellen?

Wie reichert die Kaltstartvorrichtung mit Ihrem Wachselement die Spritzufuhr an? Ich dachte es wird nur die Kaltstartklappe angesteuert.

Ich bin mir auch sicher, dass die Unterdruckschläuche falsch angeschlossen sind. Die Unterdruckdose für den Schnellleerlauf ist zB direkt am Ansaugkrümmer angeschlossen.
Außerdem gibt es bei meinem Vergaser keine Unterdruckdose für den Drosselklappendämpfer wie im Handbuch beschrieben.
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Re: SJ413: Vergaser zu fett, Unterdruckschläuche und Zündsp

Beitragvon SamuraiFim » Mo, 30 Mär 2020, 15:06

SJ413_HG hat geschrieben:Danke, ich reinige das RKE.

Ich habe hier

https://photos.app.goo.gl/gY3iGjSD95unnAfF7
weitere 2 Fotos am Ende eingestellt: Kann man an dieser Schraube oberhalb der Leerlaufgemischschraube was einstellen?


Bei dem Vergaser kann ich mir fast nicht vorstellen, dass es hier (gewollte) Möglichkeiten der Nachjustage gibt (oft sind Drosselbohrungen oder Verstellschrauben, die bei der Grundeinstellung des Vergasers im Herstellungswerk verwendet werden (um Fertigungstoleranzen auszugleichen).

Die würd ich aber nicht angreifen, weil da versaust du dir die Einstellung richtig.

Grundsätzlich hast nur Leerlaufschraube und Hauptgemischschraube, die die Werkstatt (oder die Hobby-Werkstatt) zum einstellen zu Verfügung hat.

Fang mal bei der RKE an, dann (laut dem erwähnten Bericht hier im Forum) den Choke noch dazu kontrollieren, und wenn du dir sicher bist, dass die Unterdruckschläuche nicht richtig angeschlossen sind, dann wird nix anderes helfen als:

* Bilder im Netz mit dem Status Quo bei dir vergleichen
* Vielleicht ein bisschen was im Werkstatthandbuch finden
* Bei einem Vergleichsfahrzeug direkt schauen (und alles notieren und fotografieren, damit du dann bei deinem Motor gegenchecken kannst).

Ferndiagnosen, ohne den Motor vor der Nase zu haben, und aus dem Stehgreif die genaue Fehlerursache zu benennen, werden nicht gehen (und wie erwähnt, kenn ich diesen Vergaser nicht inn und auswändig).

Ich weiß, Diagnose ist eine zermürbende Arbeit, aber nicht verzagen und am Ende kennst dein Spielzeug wie aus dem EffEff.

LG,
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